Gemeinsam zum BrautmodegeschÀft




Brautmode Zoro, ZĂŒrich

Die Kleidung ist einer der wichtigsten Aspekte der Hochzeitsvorbereitung. Überraschende Antworten auf mit wem, wann und mit welcher Einstellung man ins BrautmodegeschĂ€ft kommen soll verrĂ€t Milena Zoro.

Verkaufen Sie nur Damenmode oder auch Herrenmode?

Wir haben beides, auch Herrenmode. Je zu etwa die HĂ€lfte.

Warum kommen Hochzeitspaare zu Ihnen?

Wir bieten einer der besten Service, die es gibt. Nicht die Braut oder der BrĂ€utigam sondern das Paar steht bei uns im Mittelpunkt. Der BrĂ€utigam kann die Braut extrem unterstĂŒtzen.

Wie geht das bei den Paaren, die sich einander vor der Trauung nicht zeigen möchten?

Wir haben getrennte GeschÀfte. Beide sind zwar am Pelikanplatz aber bewusst nicht im gleichen Haus. Herren haben ein separates GeschÀft und werden auch von Herren bedient. Sie sind also absolut getrennt. Das Paar kann am gleichen Tag zu uns kommen. Der Herr ist links im GeschÀft und die Dame rechts. Sie sehen sich gar nicht und sind völlig in Ihrer eigenen Welt. Wir VerkÀufer Wechseln hin und her und schauen immer wieder in welche Richtung die Braut geht und können so dem BrÀutigam in den entsprechenden Stil weisen.

Das funktioniert, ohne dass beide nebeneinander stehen? Sie können sich vorstellen, wie das Paar zusammen aussehen wird?

Ja. Gerade heute, wo die Braut eine solch grosse Auswahl in der Brautmode hat. Es gibt Brautkleider heute, die fast aussehen wir Abendkleider, ganz schlicht aber auch ein bisschen provokativ mit einem schönen Ausschnitt. Dann kann der Mann dementsprechend eingekleidet werden. Ein Smoking, das wie ein Abendanzug ausschaut, passen dazu. Weniger geeignet wĂ€re ein klassischer Frack. Umgekehrt, wenn eine Braut wie eine Prinzessin mit Krönlein aussehen möchte kann sich der BrĂ€utigam nicht so locker anziehen. Wir sehen in welche Richtung die Braut geht und können dann so Empfehlungen fĂŒr den Herrn machen. Dies möchte unsere Kundschaft.

Der Mann möchte in 90% der FĂ€lle auch der Braut mit seinem Anzug ĂŒberraschen und kommt mit einem Kollegen ins GeschĂ€ft. „FĂŒr mich gibt es auch total lĂ€ssige Sachen“. Am Hochzeitstag ist die Überraschung fĂŒr beide sehr gross und sie sagen „Wow, wir passen stilistisch so gut zusammen“. Dieses Spiel kennen viele nicht und kommen erst auf den Geschmack wenn sie bei uns sind. Die Herren machen voll mit und das ist auch fĂŒr uns VerkĂ€ufer lĂ€ssig.

Sie haben sicher ein riesiges Sortiment an Kleidern. Wie wĂŒrden Sie das Sortiment beschreiben?

Wir versuchen von jedem Lieferanten nicht alles sondern das Beste auszusuchen. In jeder Preisklasse. Das heisst nicht, dass es teuer sein muss. Vom traditionellen, klassischen Brautkleid versuchen im Einkauf wir immer die Besten auszuwĂ€hlen, damit die Braut auch immer die beste QualitĂ€t fĂŒr ihr Geld erhĂ€lt. Wir sind auch bezĂŒglich Mode ziemlich marktfĂŒhrend und probieren immer wieder gerne aus. Im Platz ZĂŒrich hat es dafĂŒr die Kundschaft.

Was sind Ihre SpezialitÀten?

Sicher viel exklusive Kleider, die man sonst nicht findet. Wir arbeiten viel mit Atelier, die die ExklusivitĂ€t gewĂ€hren können. Wir sind im deutschsprachigem Raum die einzigen, zumindest in der Schweiz, die gewisse Produkte fĂŒhren können.

Sie kaufen weltweit ein?

Genau.

Mit welchem Budget muss die Braut rechnen?

Genau wie unser Auswahl ist unsere Preisspanne. Wir haben Brautkleider von 1600 bis 10000 Franken. 80% ist zwischen 1800-3500 Franken. Es gibt wenige die gĂŒnstiger und wenige die teurer sind.

FĂŒr 10000 Franken? Hat das Kleid Goldstickereien oder so?

Das sind Designer-Kleider wie Ellie Saab und Valentino. Dann haben wir Couture-Kleider aus Italien, handgestickt mit echten Swarovski-Kristallen. Diese sind fĂŒr Kundschaften, die auch sonst Designerkleider kaufen und nicht am Hochzeitstag darauf verzichten wollen. Die schauen dann auch auf die Marke und die Stickereien.

Wie weit im voraus sollte ein Paar zu Ihnen kommen?

WĂŒnschenswert wĂ€re, dass die Braut mindestens ein halbes Jahr im voraus zu uns kommt. Der BrĂ€utigam etwas weniger, da die Lieferzeiten nicht so gross sind. Aber auch der sollten nicht zu lange warten, wenn der Anzug wirklich perfekt sitzen und auf seine Braut abgestimmt sein soll. Oft schieben MĂ€nner den Einkauf hinaus – je frĂŒher er kommt, desto grösser die Auswahl.

Gibt es auch NotfĂ€lle, Leute die kommen und sagen „Hilfe: Wir heiraten in zwei Wochen“? Funktioniert das?

Es funktioniert alles. Das haben wir immer wieder. Unsere Kundschaft ziehen im GeschĂ€ft Probemodelle zur Probe an und wenn sie bestellen wird speziell ein neues Kleid angefertigt. Wir fĂŒhren jedoch auch ein kleines Lager von neuen Kleidern, die gĂ€ngigen Modellen, fĂŒr solche FĂ€lle und auch fĂŒr Schnellentschlossene. NatĂŒrlich haben wir aber nicht die mega-exklusiven Modelle in 20 Grössen lagernd…

Geheiratet wird hĂ€ufig im Sommer, wenn’s heiss ist. Wie ist das in einem schweren Brautkleid und Anzug. Welche Tipps geben Sie?

Wenn’s 35° heiss ist muss der Herr da durch. Er kann aber die Jacke ausziehen und sieht in einem guten Baumwollhemd trotzdem super aus. Schwer-aussehende Brautkleider sind im Sommer auch kein Problem. Winterbrautkleider unterscheiden sich ja von Sommerbrautkleidern nur bei den Accessoires. Im Winter hat es Stola, Mantel und Pelzmuff, aber das Kleid selbst ist nicht schwerer. Die verwendeten Stoffe sind leicht: Taff, Satin. Man schaut immer, dass die Materialien schön und fliessend sind, aber die WĂ€rme war bei uns nie ein Thema.

Was sind momentan Trendfarben und Modelle?

Man hat lange immer Weiss vorhergesagt. Europaweit ist der Trend immer noch Ecru-Ecru-Ecru. Ab uns zu etwas Gold, aber Ecru ist immer noch am BrĂ€utlichsten, es die Farbe der Seide und es sieht nicht so kĂŒnstlich aus wie Weiss. Es gibt fast keine Frau, die Ecru nicht tragen kann. Es ist nicht so dunkel wie Creme, das ist heikel, und es ist nicht so aggressiv wie Weiss. Es ist sanft und sieht aus frisch aus. Also 99.9% ist Ecru. Ich bin 20 Jahre im GeschĂ€ft, man munkelt immer von Creme, man sagt immer wieder „kein Ecru mehr, das ist ja langweilig“. Vor einiger Zeit war Rot im Trend. Da haben wir tatsĂ€chlich ein paar rote Kleider verkauft aber das ist noch lange kein Trend. Es war nie wichtiger als Ecru.

Und beim BrÀutigam?

Dunkel, Braun, ein dunkles Mokka. Das ist bei gewissen MĂ€nner sanfter als Schwarz. Hell wird im Sommer auch manchmal verlangt, am Schluss sieht dann immer noch die dĂŒnklere Farbe besser aus. Ein Smoking ist in Schwarz immer noch am schönsten.

Wird der Schleier noch gekauft?

Der Schleier ist ein ganz wichtiger Trend. Wir verkaufen fast bei jedem Brautkleid einen Schleier. Das hat extrem Einzug gehalten. Das ist bei den weiten, traditionellen Kleidern bis zu den ganz modernen Abendkleidern der Fall. Alle tragen einen Schleier, weil er den brÀutlichen Touch zum modernen Kleid gibt.

Wie empfehlen Sie die Handhabung des Schleiers?

Der Schleier ist schon fĂŒr die Kirche. FĂŒr die Zeremonie möchte die Braut das brĂ€utliche Feeling haben, das GĂ€nsehaut-Feeling, wenn man damit in die Kirche kommt. Viele haben sie fĂŒr die Aufnahmen an. Wenn’s windet gibt es damit sehr schöne Momentaufnehmen. Aber nachher wird er abgezogen. Am Abend will sich die Braut verwandeln. Sie zieht dann eine Stola und andere Accessoires an. Man spielt heute extrem mit den Accessoires. Es ist parallel zu der Tagesmode. Lange hat man alles ĂŒberflĂŒssige vermieden, aber heute spielt man wieder mit den Accessoires. Die sind bei der Brautmode extrem wichtig geworden, genau wie die Schuhe. FrĂŒher mussten die Schuhe einfach bequem sein, man hat sie ja eh nicht gesehen. Heute sind Schuhe genau so wichtig wie das Brautkleid, die UnterwĂ€sche, der Kopfschmuck etc. Frauen wollen wieder spielen und sich nicht mehr verstecken wollen, im Gegensatz zu dem 90’er Jahren. Die Symbolik des Schleiers ist lĂ€ngst nicht mehr vorhanden sondern er ist ein schönes Accessoire und das Feeling „wow jetzt bin ich wirklich eine Braut“ erzeugt. Da stehen die meisten Frauen wirklich drauf.

Sie haben Accessoires erwĂ€hnt. Welche fĂŒhren Sie?

Das ist wie in der Tagesmode. Taschen. Sie können noch so verrĂŒckt sein, Frauen fahren total darauf ab. Die Taschen kann man spĂ€ter auch zu Jeans tragen. Taschen mit glitzernden Swarovski Kristallen kann man auch im Ausgang tragen. Schuhe sind auch extrem wichtig geworden. Weniger Haarschmuck. Unsere Kunden lassen sich eine schöne Frisur machen, fĂŒr welche Sie oft fĂŒr den Tag dann auch den Coiffeur wechseln. Ohrenringe und UnterwĂ€sche sind auch wichtig.

Die Schleppe geht auch immer mit?

Ja. Aber nach der Zeremonie ist Party. Das Kleid muss super aussehen aber auch verwandelbar sein. Sehr oft sind Schleppen wegnehmbar. Auf die Schleppe wollen die Frauen nicht verzichten, aber am Abend wird die aufgehÀngt. Heute möchte man alles haben, aber es muss auch bequem sein.

Welche Tipps geben Sie einem Brautpaar?

Es ist sehr wichtig dass man sich bewusst ist „Ich heirate“ und dass man mit Freude zu uns probieren kommt. Man sollte offen sein. Es ist ein Experiment – ein Doppel-Experiment – fĂŒr die Braut und fĂŒr den BrĂ€utigam. Man betritt wirklich Neuland: in 10 Minuten spĂŒren die Kunden das und sagen „Wow, das ist völlig eine neue Schiene, ich probiere das aus. Dann kriegt man viel Freude. Man wird offen und probiert Sachen, die man nie gedacht hat und es wird fĂŒr beide Seiten sehr spannend, auch fĂŒr uns. Ich finde es schade fĂŒr die, die dieses Erlebnis verpassen. Das macht man wenn’s gut geht einmal im Leben, dann mit Freude – und wenn man in guten HĂ€nden ist – und das ist man ja bei uns – dann sich einfach gehen lassen, Freude haben. Das gute GefĂŒhl kommt automatisch.

Es gibt also Leute, die bieder hereinkommen und dann Sachen auswÀhlen die ausgeflippt oder extravagant sind?

Immer wieder. Ich glaube die Brautmode ist so typisch dafĂŒr. Man ist so festgefahren von unseren Modeidealen, die man die ganze Zeit von der Tagesmode sieht. Man hat das GefĂŒhl man sei der sportlich elegante Typ, die klassische, die megatrendy Frau. Oder das Cliche von Brautkleidern. Dann kommt man in den Brautladen in unsere Welt und merkt auf einmal „wow, so kann ich auch heiraten?“ oder „Was, das ist klassisch?“. Viele Frauen merken gar nicht, wie viele Facetten sie haben. Diese kann man in der Tagesmode gar nicht ausleben. Wie soll man „romantisch“ ausleben? Wie kann man ausleben, dass man verfĂŒhrerisch ist, wenn man den ganzen Tag in der Bank arbeitet. In der Brautmode kann man das total ausspielen. Viele Frauen merken dann erst: „Das bin ich. Das hatte ich zwar noch nie an, aber das ist eine wichtige Seite von mir. Und an diesem Tag möchte ich das zeigen.“ Und dann ist man auch nicht unter Fremden, sondern unter die Menschen, die man eingeladen hat. Man erkennt sich dann total wieder. Also sage ich das immer zu meinen Kundinnen – „kommt offen zu uns“.

2 Responses to “Gemeinsam zum BrautmodegeschĂ€ft”

  1. Bastian Says:

    Tolles Interview! Bin jetzt auf der Suche nach schöner Herrenmode, danke!

  2. Klassische Hochzeitsgedichte kostenlos im Internet | RSS Verzeichnis Says:

    […] http://www.diehaube.ch/gemeinsam-zum-brautmodegeschaft.htm Man hat das GefĂƒÂŒhl man sei der sportlich elegante Typ, die klassische , die megatrendy Frau. Oder das Cliche von Brautkleidern. Dann kommt man in den Brautladen in unsere Welt und merkt auf einmal ñ€Ɠwow, so kann ich auch heiraten? … […]

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