Jede Zigarettenpackung trĂ€gt die Warnung „Rauchen ist tödlich“. Warum gibt es beim Standesamt vor der Trauung keine Ă€hnliche Warnung, wo die Gefahr von gravierenden psychischen Verletzungen in einer Ehe so akut ist?

Die jĂ€hrlich-erhobenen Zahlen vom Bundesamt fĂŒr Statistik sprechen eine deutliche Sprache: Die Scheidungsrate im Vergleich zu den VermĂ€hlungen ist hoch. Sehr hoch. Im Jahr 2010 fanden 43’257 VermĂ€hlungen statt, gleichzeitig wurden 22’081 Ehen geschieden. Also werden rein rechnerisch ĂŒber 50% der Ehen frĂŒher oder spĂ€ter in der Scheidung enden. Das ist aber erst die halbe Geschichte.
Was ist mit den ĂŒbrigen 50%, die nicht geschiedenen Ehepaaren?
Hier sieht es ebenso unerfreulich aus. Ein ganzes Drittel ist zwar noch symbolisch verheiratet, lebt aber getrennt voneinander. Ein weiteres Drittel ist noch verheiratet, lebt zusammen – aber unglĂŒcklich. Und erst das allerletzte Drittel sagt aus, dass es glĂŒcklich in der Ehe ist.
Also nur gerade 15% aller VermĂ€hlten leben langfristig glĂŒcklich zusammen.
FĂŒr die ĂŒbrigen 85% wird die Ehe zur Last, zum Trauma oder zum reinsten Horrorerlebnis, je nach Konfliktgrad. Ein Schlaraffenland fĂŒr FamilienanwĂ€lte.
Ist die Ehe mit dieser katastrophalen Erfolgsquote nicht reif fĂŒr den MĂŒlleimer? Denn der Ehevertrag ist der einzige Vertrag, der jederzeit aufgelöst werden kann. Ohne Penale, ohne KĂŒndigungsfrist, und ohne Angabe von GrĂŒnden.
Die Hochzeit mag noch so berauschend und „perfekt“ sein, die GlĂŒckwĂŒnsche aller noch so ĂŒberschwĂ€nglich, die Flitterwochen noch so romantisch: Der Scherbenhaufen ist leider schon fast vorprogrammiert. Denn MĂ€nner und Frauen sind anders, und rein evolutionĂ€r nicht fĂŒr eine langfristig-glĂŒckliche Beziehung geschaffen. Unsere Vorfahren, die sich nach einigen Jahren eine neue Partnerschaft suchten konnten sich besser vermehren. Diese „Wandergene“ sind stĂ€rker als die meisten Ehen.
Monogamie in der Ehe ist fĂŒr die Meisten ein Mythos – ein gesellschaftliches und kirchliches Korsett, das frĂŒher oder spĂ€ter zu einschrĂ€nkend wirkt und infolge gesprengt wird. In „The Myth of Monogamy“ wiederspricht Verhaltensforscher David Barash traditionelle Annahmen vom Tierreich, insbesondere von vielen bisher als monogam geglaubten Vogelarten. Polygamie ist normal, Mongamie abnormal. Eine Untersuchung der weiblichen SexualitĂ€t zeigte bei Frauen viele Beispiele eines aggressiven PaarungsbedĂŒrfnisses ausserhalb der Beziehung.
Der Seitensprung ist die logische Folge.
Und damit ist meist die Ehe makulatur, auch wenn der Seitensprung dem Partner nicht offenbart wird. Denn wenn ein Partner eine Auszeit von der Beziehung will, ist fast immer eine Drittperson im Spiel. SchÀtzungsweise 60% aller Eheleute werden mal fremdgehen, wobei diese Zahl wegen der potentiell hohen Dunkelziffer als konservativ angesehen wird.
GemĂ€ss den Statistiken gehen mehr Frauen als MĂ€nner fremd und mehr Scheidungen werden von Frauen beantragt. Gravierend ist das darauffolgende TrĂŒmmerfeld. Von verlassenen Eheleuten wird der Seitensprung des Partners als das schlimmste Lebensereignis beschrieben. Noch gravierender wird es, wenn schon Nachwuchs da ist. Auch dieser wird langfristig traumatisiert, obwohl das Problem in den populĂ€ren Medien verharmlost wird.
Die Liebe macht blind, und verliebte Paare mit Rosa Brillen sehen unmöglich solche Probleme in ihrer Beziehung auf sie zukommen.
Hast du in deinem Bekanntenkreis eine Person, die in der Ehe betrogen wurde? Frage sie mal ĂŒber das Erlebnis aus.
Treffe dann deine Entscheidung, ob du wirklich heiraten möchtest.
P.S. Dass der Vergleich mit der tödlichen Zigarette nicht so weit hergeholt ist zeigt dieser Artikel.